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Besondere Traditionen des Katharineums

DER PRIMANER-FÜNFKAMPF

Seit 1882 wird am Katharineum, als Höhepunkt des Sportjahres, der sogenannte Primaner-Fünfkampf ausgetragen.

Vorbild ist das antike Pentathlon, das die fünf Hauptelemente der griechischen Gymnastik: Laufen, Springen, Speer- und Diskuswurf, sowie Ringen, in einem Wettkampf vereinte. In ihrem Vollkommenheitsstreben hielten die Griechen das Penthathlon, das bei den Spielen in Olympia erstmals 708 v. Chr. durchgeführt wurde, für besonders wertvoll, weil es in seiner Zusammenstellung den ganzen Körper beanspruchte und harmonisch durchbildete. Der Sieger wurde im Gegensatz zu heutigen Mehrkämpfen nicht nach einem Punktsystem, sondern durch ein Ausscheidungsverfahren ermittelt; zum entscheidenden Ringen traten nur die an, die als Beste in den vorhergehenden Wettbewerben übrig geblieben waren.

Dieses Kernstück griechischer Agonistik griff der Turnlehrer und Pionier des Sportunterrichts Carl Schramm (am Katharineum 1881-1889) auf und schuf durch geringe Modifizierungen den Primaner-Fünfkampf des Katharineums, der seit 1882 alljährlich durchgeführt wird. Jahrzehntelang fand er im Rahmen des Schulfestes auf der Israelsdorfer Festwiese statt, ab Mitte der 60ger Jahre wird er vor der versammelten Oberstufe auf dem Burgtor-Sportplatz abgehalten.

Der Wettkampf beginnt mit dem Weithochsprung; hier ist aus 2,00 m Entfernung eine Höhe von 1,20 m zu überwunden. Wem das in drei Versuchen gelingt, der nimmt am Schleuderballwerfen teil. Die acht besten Werfer ermitteln die vier schnellsten 100-m-Läufer, die dann das Speerwerfen austragen, bei dem sich die beiden Teilnehmer mit der größten Weite für den abschließenden Ringkampf qualifizieren. Der Sieger wird mit einem Lorbeerkranz ausgezeichnet und sein Name auf einer Ehrentafel festgehalten, die in den Kreuzgängen der Schule zu finden ist.

Seit 1974 wird der Wettkampf auch für Schülerinnen durchgeführt, statt des Ringens war die Abschlussdisziplin zunächst ein Tauziehen, seit den 80ger Jahren ist es ein Slalomlauf. Teilnahmeberechtigt sind - dem Namen des Wettkampfs zum Trotz - alle Schüler und Schülerinnen ab der 11. Klasse.

 

DIE KATHARINEUM-RUDERRIEGE

Seit 1904 gibt es die KATHARINEUM-RUDERRIEGE. Es ist damit eine der ältesten deutschen Rudervereinigungen. Sie hat seit ihrem Bestehen viele Erfolge weit über den Lübecker Bereich hinaus feiern dürfen. Wer sich über ihre Geschichte und das aktuelle Vereinsleben informieren will, findet dies auf der Homepage der KRR.

 

DAS LÜBECKER KRIPPENSPIEL

Krippenspielplakat Seit 1920 wird in Lübeck ein niederdeutsches Krippenspiel aufgeführt. Seine Geschichte ist die folgende:

Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Pastor Mildenstein von der Luther-Kirche in Lübeck zu den wenigen Menschen, die in der niederdeutschen Mundart einen wertvollen Besitz sahen. Er förderte sie nach Kräften und war seiner plattdeutschen Predigten wegen weit über Lübecks Grenzen hinaus bekannt. Dies mag der Grund gewesen sein, dass ihm der Hamburger Edgar Schacht den Text eines niederdeutschen Krippenspiels schickte, sich selbst als Verfasser angab und anfragte, ob es in Lübeck eine Aufführungsmöglichkeit gäbe. Mildenstein sah, dass für solches Unternehmen am ehesten eine Gruppe theaterfreudiger Schüler in Betracht kam, und tatsächlich gab es damals an der Oberrealschule zum Dom unter der Leitung von Prof. Borvitz einen um das Laienspiel eifrig bemühten Kreis. Pastor Mildenstein gab daher den Krippenspieltext an Prof. Borvitz weiter, und Borvitz wiederum überließ ihn einem Kollegen an seiner Schule, der sich ganz besonders der Pflege volkstümlicher Kunst verschrieben hatte: Prof. Paul Brockhaus. Der verkürzte den Text um zwei ganze Szenen, gab ihm damit eine spielbare Form und versuchte 1920 eine erste Aufführung an der Schule.

Von Anfang an wirkte das Spiel stark auf die Zuschauer und verständlicherweise mehr noch auf die Mitspieler. Noch größer wurde die Wirkung im darauf folgenden Jahr, als Brockhaus die Krippenspielbühne in der Aegidienkirche aufbaute. Bald schon fragte man nach dem Text. Aber Brockhaus gab ihn (auch noch viel später) nur ungern aus der Hand. Er plante noch weitere Änderungen. Gewisse sprachliche Unzulänglichkeiten waren ihm nicht verborgen geblieben, und außerdem hatte er entdecken müssen, dass es sich hier keineswegs um die Originalform des Spiels, sondern um eine Übersetzung aus dem Oberdeutschen handelte. Zum Autor war die Verbindung schon Anfang der zwanziger Jahre abgerissen, so dass Brockhaus sich als allein verantwortlich sah. Er nahm das als Aufgabe hin, vereinfachte Ausstattung und Regie rigoros und machte das Spiel unabhängig vom Geschmack der Zeit, indem er ihm jegliches Beiwerk nahm. Es wirkte damals und wirkt heute wie ein farbiger Holzschnitt. Das ist Brockhaus' besonderes Verdienst, und darum ist es auch eigentlich sein Krippenspiel.

Krippenspiel2009 In dieser neuen Form hielt es sich über die zwanziger und dreißiger Jahre. Nur äußerlich gab es eine Veränderung: Als Brockhaus 1934 von der Oberrealschule ans Katharineum versetzt wurde, machte das Krippenspiel den Umzug mit. Die Mädchen, die beim Spiel erforderlich waren, "borgte" man auch weiterhin teils im Lyzeum, teils an der Ernestinenschule, bis die Umwandlung des Katharineums in eine Koedukationsschule das Problem aufhob. Aber das war erst am Anfang der fünfziger Jahre, als Brockhaus bereits pensioniert war und die Leitung des Krippenspiels seinem ehemaligen Schüler und damaligen Studienrat am Katharineum, Friedrich Fick, übertragen hatte.

Irgendwann in diesen Jahren war das Manuskript des Textes verloren gegangen. Es gab jetzt nur noch Kopien. Die Chorsätze von Johannes Brenneke rekonstruierte Heinz-Henning Krägel, Studienrat am Katharineum und Musikbetreuer des Krippenspiels seit 1939. Die Schar derer, die den Text und die Musik unverlierbar kannten, war inzwischen gewachsen. Deshalb konnte weder der Krieg noch das Ausscheiden des alten "Speelbaas", weder der Verlust der Originalhandschrift noch der unverkennbare Abbau des Niederdeutschen das Krippenspiel in Frage stellen. Im Gegenteil! Über den Kreis der ehemaligen Schüler hinaus wuchs die Zahl derer, die das Krippenspiel in die Tradition lübscher Weihnacht einreihten. (Dr.Rolf Saltzwedel, ehem. Speelbaas)

Und so beginnt das Krippenspiel:

O Himmelriek, o Sternenmeer,
geew Kraft dat mager, döstig Feld!
Geet Himmelsdau ut ewge Fern,
un schenk du Trost de arme Welt!
Du Wulk, dorut de Segen kümmt,
Du helle, schöne, klore Beek,
de unsern Döst een Enn nu makt,
o kumm, ehr dat de Welt vertagt!