Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge

Sektionen
Sie sind hier: Startseite / Besucherrundgang / Die Legende von der Heiligen Katharina / Aus der Goldenen Legende des Jacobus de Voragine

Aus der Goldenen Legende des Jacobus de Voragine

Kapitel 168: VON DER HEILIGEN KATHARINA

DER NAME: "Katherina" wird sie genannt von "catha", was "allgemein" bedeutet, und "Einsturz", sozusagen "allgemeiner Einsturz". Das ganze Gebäude des Teufels stürzte nämlich in ihr völlig zusammen. Denn in ihr stürzte das Gebäude des Hochmuts durch die Demut, die sie hatte, das der fleischlichen Lust durch die Jungfräulichkeit, die sie bewahrte, das der weltlichen Begierde, weil sie alles Weltliche verachtete. Oder "Katherina", sozusagen "das Kettchen". Denn sie hat sich selbst durch ihre guten Werke eine gewisse Kette verfertigt, durch die sie bis zum Himmel aufstieg. Diese Kette nun oder Leiter hat vier Stufen, welche sind: Unschuld des Werkes, Reinheit des Herzens, Verachtung der Oberflächlichkeit und Sprechen der Wahrheit. Die setzt der Prophet in eine Reihe, wenn er sagt: "Wer wird auf den Berg des Herrn steigen usw." Und er antwortet: "Der, der unschuldig an seinen Händen ist und von reinem Herzen, der seine Seele nicht in Oberflächlichkeit erhalten hat und nicht betrügerisch seinem Nächsten etwas geschworen hat." Wie aber diese vier Stufen in der seligen Katherina waren, ist aus ihrer Legende offensichtlich. ###

DER KAISER BEFIEHLT EIN OPFER: Katherina, die Tochter des Königs Costus, war in allen freien Künsten ausgebildet. Als aber der Kaiser Maxentius alle, sowohl Arme wie Reiche, in Alexandria zusammengerufen hatte, damit sie Götzenbildern opferten, und er die Christen, die nicht opfern wollten, bestrafte, befahl Katherina, als sie 18 Jahre war und in ihrem Palast, voll mit Reichtümern und Dienern, alleine zurückgeblieben war, als sie das Brüllen verschiedener Tiere hörte und das Geräusch singender Leute, dass ein Bote geschickt wurde und schnell Erkundigungen eingezogen wurden, was das sei. Als sie es erfahren hatte, nahm sie einige aus dem Palast mit, rüstete sich mit einem Kreuzsymbol und ging dorthin und sah dort, dass viele Christen in Todesangst zu den Opfern geschleppt wurden. ###

KATHARINA TRITT DEM KAISER ENTGEGEN: Von heftigem Schmerz im Herzen verletzt ging sie mutig zum Kaiser und sagte: "Dir einen Gruß zu entbieten verlangte sowohl die Würde deines Ranges als auch das Verfahren der Vernunft, wenn du den Schöpfer des Himmels anerkennen und dein Herz von den Göttern abziehen würdest." Und vor dem Eingang des Tempels stehend diskutierte sie viel mit dem Cäsar unter Verwendung verschiedener Schlussfolgerungen aus der Syllogistik, in Gleichnissen und in übertragenem Sinne, in Klartext und in Geheimsprache. Dann ging sie zurück zur üblichen Redeweise und sagte: "Dies habe ich mich bemüht dir gewissermaßen als Wissenschaftler vorzutragen. Jetzt aber: Warum hast du unnützerweise diese Menge hier versammelt, um die Dummheit der Götzenbilder zu verehren? Du bewunderst diesen Tempel, der von der Hand von Künstlern ausgeführt ist, du bewunderst die kostbaren Verzierungen, die wie Staub vor dem Angesicht des Windes sein werden. Bewundere lieber Himmel und Erde, das Meer und alles, was darin ist! Bewundere die Verzierungen des Himmels, die Sonne selbstverständlich und den Mond und die Sterne! Bewundere ihren Dienst, wie sie vom Anfang der Welt bis zum Ende Tag und Nacht nach Westen laufen und in den Osten zurücklaufen und nicht einmal erschöpft sind! Und wenn du sie wahrgenommen hast, frage und erfahre, wer ihr Gebieter ist! Wenn du aber ihn selbst erkannt hat - weil er selbst schenkt - und keinen finden kannst, der ihm gleich ist, bete ihn selbst an, preise ihn selbst! Er selbst ist nämlich der Gott der Götter und der Herr der Herren." Und als sie über die Fleischwerdung des Sohnes sehr vieles klug dargelegt hatte, war der Cäsar verblüfft und konnte nicht darauf antworten. Endlich kam er wieder zu sich und sagte ihr: "Lass, Frau, lass uns das Opfer zu Ende bringen und danach werden wir dir Antwort geben." ###

KATHARINA UND DER KAISER IM PALAST: Er ordnete also an, dass sie zum Palast geführt werde und mit aller Sorgfalt auf sie aufgepasst werde, weil er ihre Klugheit und die Schönheit ihres Körpers allzusehr bewunderte. Sie war nämlich sehr attraktiv und schien durch ihre unglaubliche Schönheit in den Augen aller bewundernswert. Als also der Cäsar zu seinem Palast kam, sagte er zu Katherina: "Wir haben deine Redegewandheit gehört und deine Klugheit bewundert, aber, beschäftigt mit den Opfern für die Götter, konnten wir nicht alles vollständig verstehen. Nun aber fragen wir zunächst einmal nach deiner Herkunft." Und die Heilige darauf: "Es steht geschrieben: "Lob dich nicht selbst und mach dich nicht selbst schlecht; das machen die Dummen, die eitle Ruhmsucht quält." Dennoch bekenne ich meine Herkunft, nicht aus einem Zuviel an Eitelkeit, sondern aus Liebe zur Demut. Ich bin nämlich Katherina, die Tochter des Königs Costus, die ich, obwohl in Purpur geboren und in den freien Künsten keineswegs mittelmäßig ausgebildet, dies alles trotzdem für nichts erklärt habe und beim Herrn Jesus Christus Zuflucht gesucht habe. Die Götter aber, die du verehrst, können weder dir noch anderen helfen. O ihr unglücklichen Verehrer solcher Gottheiten, denen sie, in der Not herbeigerufen, nicht beistehen werden, die sie in Gefahren nicht verteidigen werden!" Der König zu ihr: "Wenn es so ist, wie du behauptest, irrt also die ganze Welt und du allein sprichst die Wahrheit. Wenn trotzdem jedes Wort im Munde zweier oder dreier Zeugen bestätigt würde, wenn du ein Engel wärest, eine himmlische Kraft, müßte dir immer noch keiner glauben, um so weniger, als du bekennst, eine zerbrechliche Frau zu sein." Sie ihm: "Ich bitte dich, Cäsar, dass du dich nicht vom Zorn besiegen läßt, dass im Kopf eines klugen Menschen nicht schlimme Verwirrung Platz greift. So nämlich spricht der Dichter: "Wenn du dich vom Verstand regieren lässt, bist du ein König; wenn vom Körper, ein Sklave." Und der König : "Wie ich sehe, legst du es darauf an, uns mit krankhafter Schlauheit zu umgarnen, indem du dich bemühst, durch Beispiele von Philosophen zu verschleppen. ###

DER KAISER FORDERT 50 GELEHRTE AN : Als aber der Cäsar sah, dass er ihrer Weisheit nicht entgegentreten konnte, gab er insgeheim durch Briefe den Auftrag, dass alle Grammatiker und Rhetoren eilends zum Regierungssitz in Alexandria kommen sollten, die gewaltige Geschenke erhalten sollten, wenn sie die aufrührerische Jungfrau mit ihren Argumenten überwinden würden. Herbeigeholt wurden also aus verschiedenen Provinzen 50 Gelehrte, die sich vor allen Sterblichen in jedem weltlichen Wissen auszeichneten. Als diese fragten, warum sie aus so entfernten Gegenden gerufen worden seien, antwortete der Cäsar: "Es ist bei uns so ein Mädchen, an Verstand und Klugheit unvergleichlich, die alle Weisen zum Schweigen bringt und behauptet, dass unsere Götter Dämonen wären. Wenn ihr die besiegt, werdet ihr mit großer Ehre in eure Heimat zurückkehren." Darauf antwortete einer verärgert, mit zorniger Stimme: "O was für ein großer Plan eines Kaisers, der wegen des Streits mit einem Mädchen die Weisen der Welt aus entlegenen Gegenden herbeigerufen hat, obwohl schon ein einziger aus unseren Kreisen sie ganz leicht hätte widerlegen können!" Und der König : "Ich hätte sie zwar mit Gewalt zum Opfern zwingen können, aber ich habe es für besser gehalten, dass sie durch eure Argumente von Grund auf widerlegt wird." Da sagten jene zu ihm: "Das Mädchen soll vor uns geführt werden, damit sie erkennt, wenn ihre Leichtfertigkeit erwiesen ist, dass sie noch nie weise Leute gesehen hat." ###

KATHARINA BITTET GOTT UM HILFE: Aber als die Jungfrau von dem Wettkampf, der ihr bevorstand, erfahren hatte, vertraute sie sich ganz dem Herrn an. Und siehe: ein Engel des Herrn trat zu ihr und mahnte sie, standhaft zu bleiben, indem er hinzufügte, dass sie nicht nur von jenen nicht werde besiegt werden können, sondern darüber hinaus diese sogar, nachdem sie bekehrt sein würden, zum Ruhm des Märtyrertums bestimmen werde.

DER DISPUT MIT DEN 50 GELEHRTEN: Als sie also vor die Gelehrten geführt worden war, sagte sie zum Kaiser: "Nach welchem Maßstab ziehst du gegen ein Mädchen 50 Gelehrte hinzu, denen du versprichst, sie für einen Sieg zu belohnen, während du mich ohne Hoffnung auf ein Entgeld zu kämpfen zwingst ? Es wird mir dennoch der Herr Jesus Christus Lohn sein, der die Hoffnung und der Siegeskranz derer ist, die für ihn streiten." Als aber die Gelehrten sagten, es sei unmöglich, dass ein Gott ein Mensch werden und leiden könne, zeigte die Jungfrau, dass auch das von Heiden vorhegrsagt worden war: "Denn Platon bildete Gott kugelförmig und gebogen; auch die Sibylle sprach so: 'Glücklich ist jener Gott, der vom hohen Holz hängt'." Als also die Jungfrau mit den Gelehrten aufs äußerst klug disputierte und die Götter mit offensichtlichen Argumenten widerlegte, waren jene verblüfft und wurden, weil sie nicht fanden, was sie sagen konnten, vollkommen stumm. ###

DIE 50 GELEHRTEN WERDEN BEKEHRT: Da war der Kaiser maßlos von Zorn gegen sie erfüllt und begann sie anzuschreien, warum sie sich von einem einzigen Mädchen so schimpflich besiegen ließen. Da sprach einer, der Meister der anderen, so: "Du dürftest wissen, Kaiser, dass keiner je vor uns stehen konnte, ohne dass er unverzüglich besiegt wurde. Dieses Mädchen aber, in der der Geist Gottes spricht, hat uns so in Bewunderung versetzt, dass wir gegen Christus überhaupt nichts zu sagen wissen oder dies zutiefst fürchten. Daher, Kaiser, bekennen wir übereinstimmend, dass wir, wenn du nicht eine glaubwürdigere Ansicht über die Götter, die wir bisher verehrt haben, vorbringst, jawohl: uns alle Christus zuwenden."

HINRICHTUNG DER 50: Als der Tyrann dies hörte, wurde er von maßlosem Zorn entflammt und ordnete an, dass alle mitten in der Stadt verbrannt würden. Aber die Jungfrau bestärkte sie und machte sie zum Martyrium standhaft und unterwies sie sorgfältig im Glauben. Und als sie Schmerz empfanden, weil sie ohne Taufe dahinscheiden sollten, antwortete die Jungfrau: "Habt keine Angst, weil euch das Vergießen eures Blutes als Taufe und Ehrenkranz angerechnet werden wird." Als sie also mit einem Kreuzsymbol gerüstet in die Flammen geworfen worden waren, übergaben sie ihre Seelen dem Herrn so, dass weder Haare noch Kleider vom Feuer bei irgendeinem verletzt wurden.

EIN ANTRAG DES KAISERS: Als sie aber von den Christen begraben worden waren, sprach der Tyrann zu der Jungfrau mit folgenden Worten: "O du Jungfrau aus Adelsgeschlecht, nimm Rücksicht auf deine Jugend, und du wirst nach der Königin in meinem Palast als zweite gelten und, nachdem ein Standbild von dir mitten in der Stadt angefertigt sein wird, wirst du von allen wie eine Göttin verehrt werden." Ihm die Jungfrau: "Hör auf, so etwas zu sagen, was sogar bloß zu denken ein Verbrechen ist! Ich habe mich Christus als Braut übergeben. Er ist mein Ruhm, er ist meine Liebe, er ist meine Süße und Liebe, von der Liebe zu ihm werden mich weder Schmeicheleien noch Foltern wieder abbringen."

KATHARINA IM KERKER: Da befahl jener, von Zorn erfüllt, sie entkleidet mit Widerhaken-Ruten schlagen zu lassen und sie verprügelt in einen dunklen Kerker bringen zu lassen und dort zwölf Tage von Hunger quälen zu lassen. Als der Regent aber wegen bestimmter dringender Angelegenheiten die Grenzen des Bezirks verließ, eilte seine Regentin, entflammt von übergroßer Liebe, mit dem Obersten der Soldaten, Porphyrius mit Namen, mitten in der Nacht zum Kerker der Jungfrau. Als die Regentin dort eingetreten war, sah sie den Kerker in einem unvergleichlichen Glanz leuchten und Engel die Wunden der Jungfrau salben. Und die Jungfrau begann und sagte ihr ewige Freuden voraus und, indem sie sie zum Glauben bekehrte, prophezeite sie ihr die Krone des Märtyrertums, und so zogen sie ihr Gespräch bis Mitternacht hin. Als Porphyrius das alles gehört hatte, fiel er zu Füßen der Jungfrau nieder und nahm mit zweihundert Soldaten den Glauben an. Weil aber der Tyrann befohlen hatte, dass sie zwölf Tage ohne Essen sein sollte, schickte Christus eine weiße Taube vom Himmel und stärkte sie in diesen Tagen mit himmlischer Nahrung. Anschließend erschien der Herr ihr mit einer Menge von Engeln und Jungfrauen und sagte: "Erkenne, Tochter, deinen Schöpfer, für dessen Namen du einen qualvollen Streit auf dich genommen hast. Sei standhaft, weil ich mit dir bin!"

NEUE LOCKUNGEN UND DROHUNGEN: Als nun der Kaiser zurückkehrte, befahlt er, dass sie ihm vorgeführt werde, und als er sie strahlender sah, als er vermutet hätte, dass sie von einem solchen Nahrungsentzug geworden wäre, glaubte er, dass sie jemand im Kerker unterstützt habe, und ließ, von Wut erfüllt, die Wächter foltern. Jene aber sprach: "Ich habe keine Nahrung von einem Menschen bekommen, sondern Christus hat mich durch seinen Engel ernährt." Der Kaiser zu ihr: "Merk dir, bitte, was ich anweise, in deinem Herzen und antworte nicht mit zweideutigen Reden! Wir wollen dich nicht wie eine Dienerin besitzen, sondern du wirst als mächtige Königin und ausgezeichnet an Ehre in meiner Regentschaft Triumphe feiern." Ihm die Jungfrau: "Pass auch du auf, ich beschwöre dich, und entscheide unter Prüfung des Urteils mit wahrheitsgemäßer Entscheidung, wen ich eher wählen soll: einen Mächtigen, Ewigen, Ruhmreichen und Glanzvollen, oder einen Schwachen, Sterblichen, Unbedeutenden und Verunstalteten!" Da sprach der Kaiser empört: "Such dir von zweien eins aus: entweder zu opfern, damit du am Leben bleibst, oder ausgesuchte Foltern auf dich zu nehmen, sodass du zugrunde gehst !" Und jene :" Welche Foltern du auch ersinnen kannst, schieb sie nicht auf, weil ich mein Fleisch und Blut Christus opfern will, wie er sich selbst für mich geopfert hat! Er selbst ist nämlich mein Gott, meine Liebe, mein Hirte und mein einziger Bräutigam."

DAS RAD: Da schlug ein gewisser Offizier dem rasenden König vor, innerhalb von 3 Tagen vier Räder, mit eisernen Sägen und ganz spitzen Nägeln eingefasst, vorzubereiten, damit ein derartig schreckliches Foltergerät die Jungfrau zerstückele und die übrigen Christen eine so grausige Todesart erschrecke.Und es wurde so eingerichtet, dass zwei sich in einer Richtung drehten, zwei aber mit entgegengesetztem Schwung angetrieben wurden, damit diese beim Zerfleischen nach unten zusammendrückten, jene die, die dagegen ankämpften, in einer verschlingenden Bewegung nach oben schoben. Da rief die selige Jungfrau den Herren an, dass er zum Ruhme seines Namens und zur Bekehrung des herumstehenden Volkes die Maschine selbst zerstören möge. Und siehe: Ein Engel des Herren schlug das Mahlwerk mit solcher Wucht in Stücke, es 4000 Heiden tötete.

DAS MARTYRIUM DER KAISERIN: Die Regentin aber, die dies von oben beobachtete und sich bis dahin verborgen hatte, stieg sofort herab und beschimpfte den Kaiser ziemlich hart wegen seiner so großen Raserei. Der Regent aber, von Wut erfüllt, weil die Regentin sich weigerte, zu opfern, befahl, dass sie enthauptet werde, nachdem vorher ihre Brustwarzen herausgerissen worden wären. Als sie nun zu ihrem Martyrium geführt wurde, bat sie Katherina, für sie beim Herrn Fürbitte einzulegen. Diese antwortete: "Hab keine Angst, von Gott geliebte Königin, weil dir heute für ein vorübergehendes Königtum ein ewiges gegeben werden wird und du statt eines sterblichen Bräutigams dir einen unsterblichen erwerben wirst!" Da forderte jene, standhaft gemacht, die Folterknechte auf, nicht zu zögern, das zu tun, was ihnen befohlen war. Die Knechte führten sie also aus der Stadt, rissen mit eisernen Stangen ihre Brustwarzen heraus und schlugen danach ihren Kopf ab.

PORPHYRIUS: Ihren Leichnam stahl Porphyrius und bestattete ihn. Als am folgenden Tag eine Suche nach der Leiche der Regentin veranstaltet wurde und der Tyrann deswegen viele hinrichten zu lassen befahl, sprang Porphyrius in die Mitte und rief: "Ich bin es, der Christus' Dienerin beerdigt hat und den Glauben an Christus angenommen hat." Da wurde Maxentius wahnsinnig, stieß einen schrecklichen Schrei aus und rief: "Ach ich unglücklicher und zu bedauernder! Siehe: Porphyrius, der der einzige Wächter meiner Seele war und der Trost bei jeder Anstrengung, ist hintergangen worden." Als er dies seinen Kameraden berichtete, antworteten die sogleich: "Auch wir sind Christen und sind bereit, zu sterben." Da befahl der vor Wut trunkene Cäsar, dass alle zusammen mit Porphyrius enthauptet und ihre Leichen den Hunden überlassen werden sollten.

DAS ULTIMATUM: Dann rief er Katherina herbei und sagte: "Obwohl du durch Zauberkunst die Regentin hast sterben lassen, wirst du, wenn du trotzdem wieder zu Verstand kommst, die erste in meinem Palast sein. Heute wirst du also entweder den Göttern Opfer bringen oder den Kopf verlieren." Ihm jene: "Mach, was immer du in deinem Herzen ersonnen hast! Denn du wirst mich bereit sehen, alles auszuhalten." Nachdem also über sie das Urteil gefallen war, wurde befohlen, dass sie enthauptet werde.

DIE ENTHAUPTUNG: Als sie zur stätte geführt worden war, betete sie mit zum Himmel erhobenen Augen und sagte: "O Hoffnung und Rettung der Glaubenden, o Zierde und Ruhm der Jungfrauen! Jesus, guter König, ich flehe dich an, dass jeder, der sich an meinen Leidensweg erinnert und, sei es beim Sterben oder in irgendeiner Notlage, mich anruft, die Wirkung deiner Gnade erlangt." Und da gab es eine Stimme, die zu ihr sagte: "Komm, meine Geliebte, meine Herrliche! Siehe: Die Tür des Himmels steht dir offen. Denn auch denen, die deinen Leidensweg verehren werden, verspreche ich den gewünschten Schutz vom Himmel."

KATHARINA VON ENGELN ENTRÜCKT: Als sie dann enthauptet worden war, floss aus ihrem Körper statt Blut Milch. Engel aber nahmen ihren Leichnam und brachten ihn von diesem Ort zum Berg Sinai, eine Reise von mehr als 20 Tagen, und bestatteten sie ebendort ehrenvoll. Aus ihren Knochen fließt unablässig Öl, das die Glieder aller Kranken heilt. Sie litt aber unter Maxentius oder Maximinus, dem Tyrannen, der etwa 310 Jahre nach dem Herrn die Regierung übernahm. Wie aber Maxentius für dies Verbrechen und andere, die er beging, bestraft wurde, ist in der Geschichte von der Auffindung des Kreuzes enthalten.  ###

KATHARINENWUNDER: Es wird gesagt, dass irgendein Mönch aus Rouen zum Berg Sinai kam und dort sieben Jahre, dem Dienst an der seligen Katherina gewidmet, blieb. Als er diese immer beharrlicher anflehte, dass er etwas von ihrem Körper zu haben wert sein möge, brach plötzlich von ihrer Hand ein Fingerglied ab. Er nahm das Geschenk Gottes fröhlich an und brachte es zu seinem Kloster.

Es heißt auch, als es einen gab, der sich der seligen Katherina hingegeben hatte und sie häufig zu seiner Hilfe anrief, dass dieser mit Fortschreiten der Zeit durch die Vernachlässigung der inneren Einstellung erschlafft die Hingabe des Geistes verlor und von der Anrufung ihrer selbst abließ. Als er sich zum Gebet gesetzt hatte, sah er eine Menge Jungfrauen vor sich vorbeigehen, unter denen eine war, die glanzvoller als die übrigen schien. Als diese sich ihm genährt hatte, bedeckte sie ihr Gesicht und ging so vor ihm mit verhülltem Gesicht vorbei. Als er ihren Glanz allzusehr bestaunte und fragte, wer sie sei, antwortete ihm eine von diesen: "Dies ist Katherina, die du einst zu erkennen gewohnt warst. Nun aber, weil du sie nicht zu erkennen scheinst, ist sie vor dir so mit verhülltem Gesicht, als ob sie dir unbekannt wäre, vorbeigegangen." ###

THEOLOGISCHE WÜRDIGUNG: Es muss vermerkt werden, dass die selige Katherina in 5 Punkten bewundernswert erscheint. Erstens also in der Weisheit, zweitens in der Beredsamkeit, drittens in der Standhaftigkeit, viertens in der Reinheit ihrer Keuschheit, fünftens im Vorrang der Auszeichnung. In ihr selbst war nämlich jede Art der Philosophie.

Weisheit. Denn die Philosophie oder Weisheit wird eingeteilt in theoretische, praktische und argumentative. Die theoretische wird nach einigen in drei Arten eingeteilt, selbstverständlich in die erkennende, die natürliche und die mathematische.

Es besaß also die selige Katherina die erkennende Weisheit bei der Erkenntnis der göttlichen Dinge, von der sie vor allem in der Diskussion gegen die Gelehrten Gebrauch machte, denen sie bewies, dass es nur einen einzigen wahren Gott gibt, und die sie überzeugte, dass alle Götter falsch sind. Zweitens die natürliche bei der Erkenntnis aller niederen Angelegenheiten, von der sie vor allem in der Auseinandersetzung mit dem Kaiser Gebrauch machte, wie ebendort sichtbar ist. Drittens die mathematische bei der Verachtung der irdischen Dinge. Diese Weisheit nämlich betrachtet nach Boethius die Formen ohne Stoff. Die besaß die selige Katherina, als sie ihren Geist von aller stofflichen Liebe abzog. Dass sie diese besaß, zeigte sie, als sie dem Kaiser auf sein Fragen antwortete: "Ich bin nämlich Katherina, die Tochter des Königs Costus, die, obwohl in Purpur geboren usw." Von dieser machte sie vor allem Gebrauch bei der Regentin, die sie zur Verachtung der Welt und Geringschätzung ihrer selbst und zum Verlangen nach dem Königreich bewog.

Die praktische aber wird in drei Arten eingeteilt, selbstverständlich die ethische, die den Haushalt betreffende, die öffentliche oder politische. Die erste lehrt, die Sitten zu bilden und sich mit Tugenden zu schmücken, und geht alle an; die zweite lehrt, einen Haushalt gut in Schuss zu halten, und ist für Familienoberhäupter; die dritte lehrt, Städte und Völker und einen Staat gut zu regieren, und ist für die Führer von Städten. Auch diese dreigestaltige Weisheit besaß die selige Katherina. Die erste besaß sie nämlich, als sie sich mit völliger Ehrenhaftigkeit der Sitten ausstattete; die zweite, als sie ihren Haushalt, der groß war, als er ihr überlassen wurde, lobenswert führte; die dritte, als sie den Kaiser weise belehrte.

Die argumentative wird in drei Arten geteilt, selbstverständlich in die darlegende, die überzeugende und die sophistische. Die erste ist für Philosophen, die zweite für Redner und Debattenteilnehmer, die dritte für Sophisten. Auch diese dreifache Weisheit scheint sie besessen zu haben, wenn über sie geschrieben wird: "Unter Verwendung verschiedener Schlussfolgerungen aus der Syllogistik, in Gleichnissen und in übertragenem Sinne, in Klartext und in Geheimsprache diskutierte sie viel mit dem Cäsar."

Beredsamkeit. Zweitens war sie bewundernswert in der Beredsamkeit. Denn sie besaß die zungenfertigste Beredsamkeit beim Predigen, wie es aus ihren Predigten deutlich wird; die gewandteste beim Ablegen von Rechenschaft, wie es deutlich wird, als sie zum Kaiser sagte: "Du bewunderst diesen Tempel, der von der Hand von Künstlern ausgeführt ist usw."; die süßeste beim Gewinnen, wie es deutlich wird bei Porphyrius und bei der Regentin, die sie mit der Süße ihrer Beredsamkeit zum Glauben gewann; die wirkungsvollste beim Überzeugen, wie es bei den gelehrten deutlich wird, die sie so machtvoll überzeugte.

Standhaftigkeit. Drittens in der Standhaftigkeit. Sie war nämlich äußerst standhaft gegenüber vorgebrachten Drohungen, weil sie sie selbst verachtete, weshalb sie dem Kaiser, als er ihr drohte, so antwortete: "Welche Foltern du auch ersinnen kannst, schieb sie nicht auf, weil ich mein Fleisch und Blut Christus opfern will." Ebenso: "Mach, was immer du in deinem Herzen ersonnen hast! Denn du wirst mich bereit sehen, alles auszuhalten." Zweitens gegenüber angebotenen Geschenken, weil sie sie zurückwies, weshalb sie, als ihr der Kaiser versprach, dass er sie in seinem Palast als seine Nummer zwei haben würde, antwortete: "Hör auf, so etwas zu sagen, was sogar bloß zu denken ein Verbrechen ist usw." Drittens gegenüber auferlegten Strafen, weil sie sie überwand, wie deutlich wird, als sie in den Kerker gesteckt wurde und auf das Rad.

Keuschheit. Viertens in der Reinheit ihrer Keuschheit. Sie bewahrte nämlich ihre Keuschheit unter Umständen, unter denen Keuschheit gefährdet zu sein pflegt. Fünf Größen nämlich sind es, bei denen die Keuschheit gefährdet ist, selbstverständlich schlaff machender Überfluss, verführerische Gelegenheit, mutwillige Jugendlichkeit, enthemmende Freiheit, lockende Schönheit. Unter diesen bewahrte die selige Katherina ihre Keuschheit. Sie besaß nämlich größten Überfluss an Dingen, wie eben eine, die von steinreichen Eltern abstammte. Sie hatte die Gelegenheit, da sie ja als ihre eigene Herrin den ganzen Tag sich unter ihren Dienern aufhielt. Sie hatte weiterhin ein jugendliches Alter. Ebenso persönliche Freiheit, weil sie alleine und frei im Palast zurückblieb. Über diese vier wird oben gesagt: "Als Katherina 18 Jahre war, blieb sie im Palast, voll mit Reichtümern und Dienern, allein zurück." Sie besaß auch Schönheit, weshalb gesagt wird, weil sie sehr attraktiv und von unglaublicher Schönheit war, schien sie in den Augen aller bewundernswert.

Auszeichnung. Fünftens im Vorrang der Auszeichnung. Es gab nämlich gewisse besondere Auszeichnungen bei einigen Heiligen, als sie starben, wie eine Christuserscheinung, die es bei Johannes dem Evangelisten gab, das Ausfließen von Öl, das es beim seligen Nikolaus gab, das Fließen von Milch, das beim seligen Paulus auftrat, die Bereitstellung eines Grabes, die sich bei der seligen Margarita ereignete, als sie für die betete, die ihrer gedachten. Dies alles aber trat bei der seligen Katherina zugleich auf, wie es aus der Legende deutlich wird.

DATIERUNGSPROBLEME: Zweifel aber gibt es bei einigen, ob sie von Maxentius oder von Maximinus zur Märtyrerin gemacht wurde. Damals hatten nämlich drei die Oberherrschaft inne, natürlich Constantin, der die Herrschaft in Nachfolge seines Vaters erhielt, Maxentius - Sohn des Maximinianus -, der von den Prätorianer-Soldaten in Rom zum "Augustus" ernannt worden war, und Maximinus, der in den östlichen Reichsteilen zum Cäsar gemacht worden war. Aber nach den Chroniken übte Maxentius in Rom, Maximinus im Osten ein tyrannisches Regiment über die Christen aus. Es scheint also, wofür einige stimmen, dass es durch einen Fehler des Schreibers dazu gekommen ist, dass für "Maximinus" "Maxentius" eingesetzt wurde. ###

 

 

Zum LATEINISCHEN TEXT