Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge

Sektionen
Sie sind hier: Startseite / Besucherrundgang / Die Legende von der Heiligen Katharina / Anmerkungen zur Katharina-Legende des Jacobus

Anmerkungen zur Katharina-Legende des Jacobus

DER NAME:

- Der Name Katharina kommt aus dem Griechischen und bedeutet "die Reine". (Die in griechischen Fassungen der Legende auftretende Namensform "Aikatherina" bedeutet: "die immer Reine") Die falsche Deutung von "katha" ist wohl ausgelöst durch den Begriff "katholisch", der vom ebenfalls griechischen "kath' holen ten gen" (="über die ganze Erde"=universal) stammt.

- Der zitierte "Prophet" ist der Psalmist David (24. Psalm). In der Vulgata, der lateinischen Bibel, lautet der Text anders: ". . . , der seine Seele nicht vergeblich erhöht hat" (". . ., qui non exaltavit frustra animam suam")

DER KAISER BEFIEHLT EIN OPFER:

- König Costus: Costus war, nach anderen Quellen der Legende, ein König von Zypern (was immer ein solcher "König" in Alexandria zu suchen hatte.) Trotz der scheinbar präzisen Angaben ist die historische Existenz der Katharina äußerst zweifelhaft; die katholische Kirche hat den Katharinen-Tag deswegen auch 1969 aus ihrem offiziellen Kalender gestrichen.

- "Freie Künste". Der antike Kanon der höheren Bildung umfasste die sogenannten Sieben freien (=eines freien Mannes würdigen) Künste: Grammatik, Rhetorik, Logik oder Dialektik (=Argumentationskunst); Arithmetik, Musik, Geometrie (inklusive Geographie), Astronomie.

- Maxentius war 306 - 312 römischer Kaiser. Er hat, soweit überliefert, Italien nie verlassen, dem Christentum gegenüber war er tolerant, hob antichristliche Edikte seiner Vorgänger auf. Seinen Ruf als Feind des Christentums verdankt er der Propaganda des Konstantin, der ihn 312 stürzte und töten ließ (Vergleiche auch das Schlusskapitel)

- Die "Götzenbilder" (ydola) sind die der traditionellen römischen Gottheiten, denen man Schlachtopfer zu bringen pflegte.

KATHARINA TRITT DEM KAISER ENTGEGEN:

- "Syllogistik" ist die Lehre von den logischen Schlussfolgerungen, die der Philosoph Aristoteles als erster systematisch erforscht und dargestellt hatte. Sie gehörte zu den Sieben freien Künsten (s.o.)

- "in Gleichnissen (allegorice) und in übertragenem Sinn (metanomice)": Katharina beherrscht also das ganze Repertoire fortgeschrittener Redekunst (wie auch Jesus).

- "in Klartext (diserte) und in Geheimsprache (mistice)": Katharina kann sowohl in schulmäßig gesetzter Rede vortragen, als auch in Anspielungen, die nur Eingeweihte verstehen.

KATHARINA UND DER KAISER IM PALAST:

- "Lob dich nicht selbst . . . " Die Sentenz stammt aus den sog. "Dicta Catonis" (oder "Disticha Catonis"), einer Sprüchesammlung des 3. nachchristlichen Jahrhunderts, die unter dem Namen des bekannten altrömischen Politikers Cato Anleitungen zu einer sittsamen Lebensführungen in hexametrischen Zweizeilern gab. (Dict.Cat.II 16)

- "in Purpur geboren" bedeutet: Als Katharina geboren wurde, war ihr Vater ein regierender König und wurde es nicht etwa erst danach, was bei Erbfolgeregelungen und im protokollarischen Rang als bedeutender Unterschied galt.

- "Wenn du vom Verstand regiert wirst . . ." Auch dieses Sprichwort wird dem älteren Cato zugeschreiben.

(MAGGIONEs Ausgabe entscheidet sich für die - sowohl inhaltlich als auch metrisch sonderbare - Lesart: "Tu si animo rexeris, rex es . . ." = "Wenn du mit dem Verstand regiert haben wirst, bist du ein König . . .")

DER KAISER FORDERT 50 GELEHRTE AN:

- Grammatiker: Fachleute für Texte und Textauslegung (die "Schriftgelehrten" deutscher Bibelübersetzungen). Rhetoren: Redner, Fachleute für das Bestreiten von Plädoyers und Diskussionen. Da die Redekunst in der Antike eine Schlüsselwissenschaft war, heißen die Gelehrten hier - synekdochetisch - "oratores" (bzw. "rehtores" (sic!)): "Redner".

KATHARINA BITTET GOTT UM HILFE:

DER DISPUT MIT DEN 50 GELEHRTEN:

- In seinem "Timaios" schildert Platon, wie der Weltschöpfer den Kosmos, nach der vollkommensten denkbaren Form, kugelförmig gestaltete, mit einer Weltseele im Mittelpunkt, einem "durch all dieses seligen Gott". (Timaios 28c ff, besonders 34 a/b) Das ist eine kompliziertere und abstraktere Vorstellung als die von Katharina ins Feld geführte: Gott als Wesen von kurviger = menschlicher Gestalt. Wenn es keine rhetorische Überrumpelung sein soll, geht die fragwürdige Deutung vielleicht auf die vergröberte Wiedergabe der Timaois-Stelle bei Cicero, De natura deorum 10, 24 zurück.

- Eine "Sibylle" ist eine Wahrsagepriesterin. Sibyllen-Orakel gab es in der Antike an verschiedenen Orten, u.a. in Marpessos am Hellespont, Erythrai bei Smirna und auf Samos. Die bekannteste Sibylle war die von Cumae bei Neapel. Von dieser stammten der Legende nach auch die sog. "Sibyllinischen Bücher", eine Sammlung von Prophezeiungen und Ritualvorschriften, die die Römer bei wichtigen politischen Fragen zu Rate zogen. Um 400 nC. sollen sie vernichtet worden sein, außer fragmentarischen Bemerkungen von Historikern weiß man über diese Orakel nichts. Überliefert ist allerdings eine Sammlung Oracula Sibyllina von über 4000 Versen in griechischen Hexametern. Sie wurden zwischen dem ersten Jahrhundert vC und dem 3. nC geschrieben, die Endfassung entstand im 6. Jahrhundert. Sie enthalten eine Geschichte der Menschheit und der Religion aus jüdisch-christlicher Sicht, die in Form von "Prophezeihungen" vorgetragen wird. Wo der hier zitierte Sibyllenspruch "Felix ille deus . . . ." zum ersten Mal erscheint, bleibt noch zu identifizieren. Er wird auch im Chorgestühl des Ulmer Münsters zitiert, unter dem Schnitz-Bild der Hellespontischen Sibylle, und zwar in der (metrisch und inhaltlich nicht stimmigen) Variante: Felix ille dives, ligno qui pendet ab alto." = "Glücklich jener Reiche, der . . . " (So die entsprechende Web-Seite)

DIE 50 GELEHRTEN WERDEN BEKEHRT:

HINRICHTUNG DER 50:

EIN ANTRAG DES KAISERS:

- Eusebius berichtet in seiner Kirchengeschichte, dass der Kaiser Maxentius häufig fremden Frauen nachstellte: "Nur eine von denen, die zu ehebrecherischen Zwecken von dem Tyrannen bedrängt wurden, eine ausgezeichnete und glanzvolle christliche Frau in Alexandria, wurde mit dem leidenschaftlichen und maßlosen Gemüt des Maxentius fertig durch ihre äußerst heldenhafte Standhaftigkeit. Eine respektable Persönlichkeit durch Reichtum und Familie und Erziehung, schätzte sie dies alles geringer als ihre Keuschheit. Er bedrängte sie mehrfach, aber obwohl sie bereit war, zu sterben, konnte er sie nicht töten, denn sein Verlangen war stärker als seine Wut. Er bestrafte sie deshalb mit dem Exil und nahm ihr ihren gesamten Besitz." (Historia ecclesiastica VIII 14). Ist dies ein historischer Ausgangspunkt der Katharina-Legende ?
Mit etwas anderen Details erzählt Hermann Bonnus die Geschichte in seiner "Farrago" (einer Sammlung von Heiligengeschichten): als Legende von der Dorothea von Alexandria.

Es gibt noch eine weitere Parallel-Figur: Die neuplatonische Philosophin Hypatia, 364 als Tochter des Astronomen und Mathematikers Theon in Alexandria gerboren. Sie soll ihren Vater in der mathematik bald überflügelt haben und auch in anderen Disziplinen, u.a. der Rhetorik geglänzt haben. Sie wurde 415 in Alexandria von einem christlichen Mob brutal umgebracht. (Damaskios bei Suidas IV 2; Sokrates Scholasticus, Kirchengeschichte VII 15 (Migne Bd. 67) Es gibt Forscher, die annehmen, das Leben und Auftreten der Hypatia sei der historische Kristallisationskern für die Katharinalegende, ja, dass diese eigentlich nur ersonnen sei, um unter falscher Flagge die Erinnerung an die gebildete Heidin am Leben zu erhalten.(siehe u.a. Annemarie Maeger, Hypatia, die Dreigestaltige - Philosophin, Kirchenvater, Heilige. Hamburg 1992)
Wegen der fragwürdigen Überlieferung hat der Vatikan Katharina 1968 aus der offiziellen Liste der Heiligen gestrichen.

KATHARINA IM KERKER:

NEUE LOCKUNGEN UND DROHUNGEN

DAS MARTYRIUM DER KAISERIN:

PORPHYRIUS:

DAS ULTIMATUM:

DIE ENTHAUPTUNG:

KATHARINA VON ENGELN ENTRÜCKT:

 

"Die Geschichte von der Auffindung des Kreuzes". Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, reiste 324 ins Heilige Land und forschte nach den Original-Stätten der Jesus-Legende. U.a. wurde auf dem Hügel Golgatha ein Kreuz ausgegraben und mittels eines Experiments - eine Tote wurde darauf gelegt und wurde wieder lebendig - als das echte Kreuz identifiziert. Mit der "hystoria de inventione crucis" meint Jacobus entweder das Helena-Kapitel seiner eigenen Legenda oder eine seiner Quellschriften: Rufinus, der im 4. Jhd. als erster die Reise der Helena beschrieb, oder Alexander Monachus, der im 6. Jhd. eine "Inventio Sanctae Crucis" verfasste; bereits im Kanonisierungsedikt des Papstes Gelasius (496) werden solche Schriften "de inventione crucis" quasi als eigenes Genre erwähnt.

KATHARINENWUNDER:

- Wunder sind - neben besonderer Tugendhaftigkeit und einem Martyrium - ein Kriterium für die Heiligsprechung. Auch der folgenden Abschnitt, der etwas pedantisch die Leistungen der Katharina zusammenfasst, liest sich wie ein Antrag auf eine solche Heiligsprechung.

- Rouen: Nach dem "Chronicon" des Hugues de Flavigniy soll die Reliquie im Jahr 1027 von Rouen nach Rom überführt worden sein.

THEOLOGISCHE WÜRDIGUNG:

- Anicius Manlius Severinus Boethius (480-524), politischer Ratgeber Theoderichs und neuplatonisch-christlicher Philosoph. Er verfasste u.a. eine Schrift "de institutione arithmetica".

DATIERUNGSPROBLEME:

- Siehe die Anmerkungen zum Kapitel "Der Kaiser befiehlt ein Opfer".