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Balladen von der Heiligen Katharina (19. Jhd.)

Das Lied von SANKT KATHARINA (I)

 

Es war von Rom ein Kaiser,
der hielt ein' schlimmen Rath
wol um Sankt Katharina,
die allerschönste Magd.

Es sprach der röm'sche Kaiser:
"Willst du mein eigen sein?
Ich will dir ja vermachen
mein ganzes röm'sches Reich.

Da sprach die Sankt Katharina:
"Ach nein, das thu ich nicht!
Hab ich nicht Christ, den Herren,
und der mein Bräut'gam ist?"

Da faßt' der röm'sche Kaiser
ein schnellen grimmigen Zorn.
Er warf die Sankt Katharina
in' allertiefsten Thurm.

Darin da mußt' sie liegen
bis auf den eilften Tag,
daß sie weder Eßen noch Trinken,
noch Sonn' und Mond ansach.

Und als der röm'sche Kaiser
den tiefen Thurm aufschloß,
da saß die Sankt Katharina
und blüht' als wie ein Ros'.

Da sprach der röm'sche Kaiser:
"Wer hat dich denn ernährt,
daß dich die leidigen Würmer
und Schlangen nicht verzehrt?"

"Die Ottern und die Schlangen
die haben mir nichts gethan.
Mir hilft Christus, der Herre,
mein himmlischer Bräutigam."

Und als der röm'sche Kaiser,
als er die Red' vernahm,
er ließ drei Räder aufrichten
auf einem grünen Plan.

Und als die Sankt Katharina,
als sie die Räder ansach,
sie bat Christus den Herren
um einen Donnerschlag.

Da kam so jäh ein Wetter
und Donner und Hagel geschwind,
der zerschlug die eisern' Räder
und mancher Mutter ihr Kind.

Da bat die Sankt Katharina
vor ihrem letzten End',
daß nimmer ein Mensch soll sterben
ohne das Heilige Sacrament.

Und wer dies Lied kann singen,
der sing es den Tag einmal,
so wird ihn Gott behüten
vor aller Leibesgefahr.

 

 

Das Lied von SANKT KATHARINA (II)

 

Nun preiset die rein' und auch die fein',
die heilige Jungfrau Sankt Katharein!
Sankt Katharina war die schönste Magd,
das ward dem röm'schen Kaiser bald angesagt.

Der Kaiser sprach: "Mein eigen sollst du sein!
Ich will dir vermachen mein ganzes römisch' Reich."
Sankt Katharina spricht: "Das thu ich nicht!
Ein' heidnisch Mann, den begehr ich nicht."

Da faßt' der röm'sche Kaiser ein' grimmigen Zorn
und warf Sankt Katharina in' allertiefsten Thurm.
Darin da mußt' sie bleiben bis auf den eilften Tag,
daß sie weder Eßen noch Trinken bekam.

Und als nun der eilfte Tag anbrach,
der röm'sche Kaiser vom Schlaf erwacht.
Er eilete gar bald in schneller Eil'
zu Sankt Katharina in den Thurm hinein.

"Ach Sankt Katharina, wer hat dich ernährt,
daß dich nicht haben die Würmer verzehrt?"
Sankt Katharina spricht: "Ein himmlischer Mann.
Es ist Jesus Christus, mein Bräutigam."

Da faßt' der röm'sche Kaiser ein' grimmigen Zorn
und hieß Sankt Katharina vor's Gerichte komm'n.
Er ließ ein scharfes Schwert hertrag'n
und ließ Sankt Katharina ihr Haupt abschlag'n.

Und wo ein Tröpfchen Blut hinsprang,
da saß auf der Erd' ein Engel und sang:
"Sankt Katharina ist eine himmlische Braut,
dieweil ihr der Kaiser genommen das Haupt."