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Aus der Bau- und Nutzungsgeschichte des Katharineums

1224 oder 1225 treten Mönche des Franziskanerordens erstmalig in Lübeck auf. Sie betreiben ein Leprosenhaus vor dem Burgtor.

1225 erfolgt im November die Grundsteinlegung des Klosters "bei St. Catharinen". Die Anlage des Komplexes entspricht der des Benediktiner-Klosters auf dem Monte Cassino: Im Norden steht die Kirche, südlich schließt der Klausurbereich an, daran der öffentlich zugängliche Bereich des Klosters. Die Grenze markiert heute der schmale Gang, der parallel zum eigentlichen Kreuzgang verläuft. Restelemente aus dieser ersten Bauphase finden sich im Unterchor der Katharinenkirche und in der ehemaligen Küche (spätromanische Säulen).

Aus einer Ansicht Lübecks in der Schedel'schen Weltchronik von 1493

1305 wird die Kirche nach Osten erweitert, der gotische Chor entsteht.

1335 wird das Langhaus der Kirche geweiht. Daran erinnert eine Gedenktafel an der Westfassade. Auf Grund fehlender Finanzen gerät der Ausbau ins Stocken.

1350 wütet die Pest in Lübeck. Bürger spenden für Hilfe in der Notzeit und das Lesen der Seelenmessen. Aus diesen Mitteln kann der Neubau des Klosters weiter- und zu Ende geführt werden. (Daran erinnert eine Bauinschrift, heute im westlichen Kreuzgang.) Unter anderem wird der Kreuzgang gebaut, das alte Portal des Remters dabei vermauert.

1356 findet in dem erneuerten Kloster ein feierlicher Ordenskonvent der Franziskaner aus dem nordeuropäisch / skandinavischen Raum statt. Im Versammlungssaal, dem Remter, befindet sich heute die Chemie.

Lithographie von Joseph Wilhelm Pero 1859/60

1500 muss das Brauhaus neu errichtet werden, das im Vorjahr abgebrannt war.

1530 beauftragt der Rat Johannes Bugenhagen, die Reformation in Lübeck einzuführen. In den Räumen des Klosters entsteht das städtische Gymnasium. Unterrichtsräume, Lehrerwohnungen und eine Bücherei werden eingerichtet. Im März 1531 beginnt der Schulbetrieb. Der letzte Franziskaner, Bruder Gerhard, verläßt 1542 sein ehemaliges Kloster.

1573 wird ein Teil des ehemaligen Dormitoriums (Schlafsaals) zum Tagungsort des Konsistoriums, des Kirchengerichts.

1616 werden die Bücherbestände der 4 Hauptkirchen zu einer öffentlichen Bücherei zusammengeführt. Dazu wird 1617 - 19 das ehemalige Dormitorium ausgebaut. (sog. Scharbausaal mit seinen geschnitzten Regalen)

1759 muss das Konsistorium einer Erweiterung der Bibliothek weichen. Es wird in einer Abmauerung des Hochchors untergebracht.

1761 wird eine letzte Kapelle am südlichen Seitenschiff angebaut.

Stadtplan von Heinrich Behrens 1824

1806 bis 1813 steht Lübeck unter napoleonischer Besatzung. Der dänische Architekt Lillie entwirft Pläne für einen Umbau des "Lycée", die aus Geldmangel nicht realisiert werden. Kirche und Schulräume dienen als Lazarett. Nach dem Abzug der Franzosen wird die Kirche als Lagerhaus genutzt, der Hochchor beherbergt die Sammlung lübeckischer Altertümer.

1822 wird das südlich an die Schule anschließende Haus als Erweiterungsbau erworben.

1836 läßt ein Orkan die Fassade eines der Klosterflügel an der Königstraße einstürzen. 1837 wird sie sowie die benachbarte in neugotischer Manier wieder aufgeführt.

1873 wird das Kustodenhaus (Hausmeisterwohnung) vor der Westfront von St. Katharinen abgerissen, 1875 das sog. Hospital. Verschiedene Umbaumaßnahmen in Schule und Bücherei (Mantelssaal) werden getroffen und ab 1877 Pläne für einen Neubau des Hauptgebäudes entworfen.

1880 wird dafür der Nordwestflügel an der Königstraße abgebrochen. Über dem südlichen Umgang entsteht ein neuer Zeichensaal. (heute Lehrerzimmer)

1888 werden zusätzliche Grundstücke an der Hundestraße erworben, zwei Jahre später die letzten im Kern mittelalterlichen Trakte an der Königstraße abgebrochen und zwischen 1888 und 1891 ein neues Hauptgebäude im neugotischen Stil errichtet.

Das neugotische Gebäude von 1890 (2)

1892 wird die wilhelminische Aula an der Hundestraße eingeweiht.

1910 wird im ehemaligen Klostergarten eine Turnhalle errichtet.

1926 erhält die Stadtbibliothek einen Neubau an der Hundestaße. Die Katharinenkirche dient erstmalig als Raum für Kunstausstellungen.

1935 wird die ehemals hohe Schulhofmauer durch eine niedrige ersetzt.

1942 zerstören am Palmsonntag Fliegerbomben Dach und Obergeschoss von Hauptgebäude und Aula. Notdächer ermöglichen die Weiterführung des Unterrichts. In der Katharinenkirche finden Gottesdienste statt; denn St. Marien und St. Petri liegen in Trümmern.

1947 erfolgt ein provisorischer Wiederaufbau der Aula. An der Westfassade der Kirche werden die schon in den 30ger Jahren geschaffenen Nischenfiguren Ernst Barlachs angebracht, 1949 weitere von Gerhard Marcks.

1949 bezieht die russisch-orthodoxe Gemeinde St. Prokop die südwestlich an den Chor anschließende Strobukes-Kapelle.

1961 wird der alte Durchstich vom Kreuzgang zur Katharinenkirche wieder zugänglich gemacht.

1962 - 1965 wird das Dachgeschoss des Hauptgebäudes (Physik und Biologie) ausgebaut, die Dachzinnen werden entfernt, die neugotischen Giebel waren bereits nach Bombentreffern 1942 abgetragen worden. Im Refektorium (heute Alter Musiksaal) werden mittelalterliche Wandmalereien gefunden und restauriert. Der kleine Kreuzgang und der gotische Binnenhof (heute Sextanerhof) werden von Einbauten freigelegt und restauriert.

 

Photo: Christiane Biermann

 

1975 begeht das Katharineum die 750-Jahre-Feier der Klostergründung. Mit Mitteln der Dräger-Striftung werden historische Bauteile im Kreuzgang freigelegt, der Boden des Kreuzganges wieder tiefergelegt, Grabplatten sichtbar gemacht.

1979 wird die Stadtbibliothek unter Einbeziehung alter Gebäudeteile neu gebaut.

1980 werden die Häuser Glockengießerstraße 4 und 6 (seit dem 14. Jahrhundert als "Katharinenkonvent" Wohnstift für Witwen) erworben und zu Schulräumen umgebaut (u.a. Zeichensäle).

1981 findet die 450-Jahre-Feier des Gymnasiums statt. Mit Stiftungsmitteln (Dräger/Possehl) werden räumliche Umgestaltungen vorgenommen. (Verlegung der Verwaltung über das ehem. Refektorium, des Lehrerzimmers in den Zeichensaal von 1880). Im oberen Kreuzgang werden zahlreiche Schichten mittelalterlicher und späterer Dekorationsmalerei freigelegt.

1982 wird St. Katharinen als Museum in die Obhut des Museums für Kunst- und Kulturgeschichte gestellt.

1994 wird der Mantelssaal renoviert.

2000 wird die im Krieg zerstörte Aula endgültig renoviert, im Dachgeschoss Klassenräume eingerichtet.

2003/4 werden die Räume der Physik und Biologie im Dachgeschoss neu gebaut.

2006 wird das Refektorium in seiner alten räumlichen Gestalt wiederhergestellt.

2011 wird der Fahrradhof überdacht und zu einer Mensa (genannt "Refugium") ausgebaut.

Das Refugium