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Fritz-Dietlof von der Schulenburg

 

(aus der Online-Enzyklopädie Wikipedia)

 

Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg (geb. 5. September 1902 in London, gest. 10. August 1944 in Berlin-Plötzensee) war Verwaltungsbeamter und Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944.
Leben: Fritz-Dietlof von der Schulenburg ist das Kind von Friedrich Bernhard Graf von der Schulenburg, der zum Zeitpunkt der Geburt Militärattaché Deutschlands in London war und Mutter Freda-Marie (geb. von Arnim, 1873). Von Schulenburg und seine vier Brüder sowie eine Schwester wuchsen, bedingt durch den Beruf des Vaters in verschiedenen Orten auf, u. a. Berlin, Potsdam, Münster sowie auf dem familieneigenen Schloss Tressow. Entsprechend den Gepflogenheiten des preußischen Adels wurden die Kinder zunächst privat von einer Erzieherin streng erzogen. 1920 machte er das Abitur in Lübeck und entschied sich danach, nicht die Offizierslaufbahn im Sinne der Familientradition einzuschlagen, sondern studierte in Göttingen und Marburg Rechtswissenschaften. In der Zeit wurde er Mitglied des Corps Saxonia Göttingen, wo er sich im Lauf der Zeit auch einige Schmisse einhandelte, die er mit einem gewissen Stolz trug. 1923 hatte er das Staatsexamen in Celle abgelegt und wurde für die nächsten fünf Jahre Regierungsreferendar in Potsdam und Kyritz. 1924 unterbrach er für drei Monate sein Refendarium und reiste als Matrose auf einem Kohlendampfer nach Südamerika. 1928 schloss er seine Ausbildung ab und wurde Assessor in Recklinghausen. Fritz-Dietlof von Schulenburg verstand sich als Teil einer nationalen Elite, die sich in erster Linie durch die zwei staatstragenden Säulen Militär und Berufsbeamtentum definierte. Bürger außerhalb dieser Strukturen waren für ihn bestenfalls "Zivilisten" oder einfach nur der Mob. Allerdings verstand sich diese Elite als sehr patriarchales System, in dem Beamte und Militärs gleichzeitig auch die Aufgabe hätten, zum Wohle des Volkes zu agieren. Auf Grund dessen beschäftigte sich von Schulenburg mit Themen wie der Agraverschuldung und der Bodenreform. Seine romantischen Vorstellungen vom Bauernstand und von sozialer Gerechtigkeit brachten ihn bald den Titel "roter Graf" bei seinen Kollegen ein. Allerdings hatte von Schulenburg auch klar Stellung gegen jede linke Strömung bezogen. 1930 kam es zu ersten direkte Kontakte mit der NSDAP, er wurde ab Februar 1932 Mitglied, zu etwa derselben Zeit, als auch die restliche Familie eintrat. Im selben Jahr wurde von Schulenburg nach Ostpreußen versetzt, wo er auch aktiv am Aufbau des NS Landvolk mithalf. Von Schulenburg galt als Anhänger des "norddeutschen" Nationalsozialismus, der in erster Linie durch die Brüder Gregor und Otto Strasser gekennzeichnet war. März 1933 wurde von Schulenburg zum Regierungsrat in Königsberg ernannt und gewann sowohl als Beamter, als auch als Mitglied der NSDAP immer mehr an Einfluss. Er galt als Prototyp eines neuen "linken" Führers in der NSDAP mit alter preußischer Tradition. Ebenfalls im März heiratete er Charlotte Kotelmann. Seine neuen Aufgaben waren zu dieser Zeit in erster Linie die Gleichschaltung der Beamten in seinem Einflussbereich und personelle Nachbesetzung durch Mitglieder der NSDAP. Von Schulenburg kam deswegen immer öfter in Konflikt mit seinem Vorgesetzten Erich Koch. Schließlich ließ er sich 1934 nach Fischhausen als Landrat versetzen. Die Konflikte mit Koch wurden im Lauf der Jahre immer stärker, so dass er 1937 vom Reichsinnenministerium befördert und als Polizeivizepräsident nach Berlin versetzt wurde. Sein direkter Vorgesetzter wurde Wolf Heinrich Graf von Helldorf, der selbst in der Partei als sehr leutseelig und verschuldet auffiel. Helldorf wehrte sich lange gegen die Zuweisung von Schulenburgs. Wider erwarten verstanden sich die beiden sehr unterschiedlichen NS-Beamten ausgezeichnet. Schon 1939 wurde von Schulenburg dann zum stellvertretenden Oberpräsidenten von Ober- und Niederschlesien ernannt. Er wurde bereits zu diesem Zeitpunkt vom Regime als politisch unzuverlässig eingestuft und deshalb 1940 aus der NSDAP ausgeschlossen. Daneben wurde von Schulenburg auch Mitglied eines Kreises höherer Beamter, die sich in erster Linie aus preußischen Adeligen rekrutierten. In diesem Kreis wurde auch mit "interner" Kritik am Nationalsozialismus nicht gespart. Einer der wichtigsten Freunde wurde mit der Zeit Peter Graf Yorck von Wartenburg. Nach dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wird diese Gruppe auch als "Grafenkreis" oder "Grafengruppe" bezeichnet. Trotz der Vorbehalte der Beamte gegenüber den Plänen Hitlers und trotz des Schocks nach der Affäre um die Entlassung Werner von Fritschs (1938), bei der die alte Führung der Reichswehr praktisch gesäubert wurde, meldete sich von Schulenburg mit Begeisterung zum Fronteinsatz. Aber erst mit den Erfahrungen an der Front wurde er im Lauf der Jahre 1941 und 1942 zum Kritiker des Krieges. Die sich für den geschulten Verwaltungsbeamten abzeichnenden Krisen in der Versorgung, militärischen Führung und letztendlich der Umgang mit der Zivilbevölkerung in den eroberten Gebieten ließen von Schulenburg zweifeln. Seine Grundeinstellung zum Nationalsozialismus änderte sich in dieser Zeit radikal. Bereits ab 1942 nahm er regelmäßig an den Treffen des Kreisauer Kreises teil. Eine weitere wichtige Triebfeder des Widerstands war die Forderung der Alliierten nach bedingungsloser Kapitulation und das daraus folgende Bestreben, eine totale militärische Niederlagen zu vermeiden und zu einem so genannten Remis-Frieden zu kommen. In einem 1943 maßgeblich von Schulenburg mitverfassten Europaplan heißt es dazu: Das Besondere des europäischen Problems besteht darin, daß auf verhältnismäßig engem Raum eine Vielheit von Völkern in einer Kombination von Einheit und Unabhängigkeit zusammenleben soll. Ihre Einheit muß so fest sein, daß zwischen ihnen in Zukunft niemals wieder Krieg geführt werden wird und daß die Interessen Europas nach außen hin gemeinsam gewahrt werden können. ... Die Lösung der europäischen Staaten kann nur auf föderativer Basis herbeigeführt werden, indem sich die europäischen Staaten aus freiem Entschluß zu einer Gemeinschaft souveräner Staaten zusammenschließen. Als Adeliger, Beamter und Offizier hatte von Schulenburg Kontakte in alle Richtungen, die er im Laufe der Zeit zur Rekrutierung von Mitverschwörern nutzte. Aufgrund seiner vielfältigen Beziehungen - insbesondere zu den bürgerlichen Widerstandskreisen um Carl Friedrich Goerdeler und der sozialdemokratischen Gruppe (Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold) um Julius Leber - gilt er als wichtiger Vermittler. Bereits 1943 geriet er dabei in den Verdacht, gegen das Regime zu arbeiten und wurde eine Nacht lang verhaftet. Allerdings durch seinen besonderen Status und seiner Beziehungen wurde er wieder frei gelassen. Von Schulenburg gehörte schlussendlich zum inneren Kreis der Verschwörer und war somit aktiv an der Planung der Operation "Walküre" beteiligt. Nach dem Misslingen des Attentats wurde von Schulenburg am selben Tag verhaftet. Am 10. August 1944 erfolgte dann die Verhandlung und Verurteilung durch den Volksgerichtshof. In diesem Schauprozess unter dem Vorsitz Roland Freislers erklärte er sein Handeln so: Wir haben diese Tat auf uns genommen, um Deutschland vor einem namenlosen Elend zu bewahren. Ich bin mir klar, dass ich daraufhin gehängt werde, bereue meine Tat aber nicht und hoffe, dass sie ein anderer in einem glücklicheren Moment durchführen wird. Fritz-Dietlof von Schulenburg wurde noch am selben Tag in Plötzensee durch den Strang hingerichtet.

Literatur  Ulrich Heinemann, Ein konservativer Rebell; Berlin (Siedler) 1990  Albert Krebs, Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg. Zwischen Staatsraison und Hochverrat; Hamburg (Leibniz Vlg.) 1964  Hans-Joachim Ramm, ... stets einem Höheren verantwortlich. Christliche Grundüberzeugungen im innermilitärischen Widerstand gegen Hitler; Neuhausen u. Stuttgart (Hänssler) 1996